Die Antifaschistische Gruppe Bensheim hat eine neue Seite!

Vom „reaktionären“ BdV distanzieren.

Auftritt von Pawelka sorgt für Empörung
Landwirtschaftliche Woche: Initiative und Heppenheims Grüne verärgert über Veranstaltung mit Vorsitzendem der Preußischen Treuhand

HEPPENHEIM. „Mit Empörung“ hat die Initiative gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit im Kreis Bergstraße auf den Bericht „Die Grüne Woche endet politisch“ (ECHO vom Montag) reagiert. Es sei „einfach widerwärtig“ wie Rudi Pawelka, Vorsitzender der Landsmannschaft der Schlesier und Vorstandsvorsitzender der Preußischen Treuhand, Ressentiments schüre und mit seiner „Selbsthilfeorganisation der Vertriebenen für so genanntes Recht und Moral eintritt“, heißt es in einer Presseerklärung als Reaktion auf den Auftritt Pawelkas im Heppenheimer Hotel Schlossberg zum Abschluss der Landwirtschaftlichen Woche Südhessen.

In Pawelkas Weltbild sind nach Ansicht der Initiative die Rollen klar verteilt: Deutschland ist Opfer, Polen ist Aggressor. Dabei vergesse der Aufsichtsrat der Preußischen Treuhand, „dass Deutschland das Nachbarland überfallen, den Staat Polen ausgelöscht und drei Millionen seiner Einwohner umgebracht hat.“ Dass seine „ewiggestrigen Parolen“ Beifall gefunden haben, sei „schier unglaublich“.

Die Bundesregierung habe sich schon unter Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) mehrfach von den Besitzansprüchen distanziert, seine Nachfolgerin Angela Merkel (CDU) sich dieser Haltung angeschlossen. „Glücklicherweise“ gebe es in der Region viele Menschen, die sich – auch über die Grenzen hinweg – für Verständigung und Aussöhnung mit allen Völkern engagieren. Ein positives Beispiel sei der 2002 gegründete Freundschaftsverein Brücke/Most der Kreise Bergstraße und Swidnica/Schweidnitz, der sich für Verständigung und Freundschaft zwischen Deutschen und Polen einsetzt. Im kulturellen und gesellschaftlichen Austausch – besonders von jungen Menschen – spielten Offenheit und Toleranz eine wesentliche Rolle.

Auch Heppenheims Grüne haben auf den Pawelka-Auftritt in der Kreisstadt reagiert. Wer bislang geglaubt habe, die Südhessische Grüne Woche beschäftigte sich mit Fragen der Tierhaltung, des Klimas oder der Subventionierung der Landwirtschaft, habe sich getäuscht, heißt es in einer Presseerklärung. In Heppenheim habe ein „Herr, der gar nichts mit Agrarwirtschaft zu tun hat“ gesprochen. Vielmehr beschäftige er sich mit der juristischen Verwirklichung von Eigentumsansprüchen gegenüber Polen, und dies „vor einer Personengruppe, die den Zielen der Preussischen Treuhand klatschend Beifall zollte.“

Deren Forderung: Polen müsse Deutschen, die als Folge des Zweiten Weltkrieges aus den polnischen Ostgebieten vertrieben wurden, ihre ehemaligen Besitztümer wiedergeben. Um dieses Ziel zu erreichen, führe die Preußische Treuhand im Auftrag ehemaliger Großgrundbesitzer Klage beim Europäischen Gerichtshof. „Was macht“, fragen sich Heppenheims Grüne, „dieses Thema für südhessische Landwirte so interessant, dass hierzu der zuständige Kreislandwirt den umstrittenen Gast herzlich begrüßt? Wollen südhessische Bauern demnächst in Polen Spargel oder Gurken anpflanzen? Oder gar ihre Betriebe ostwärts verlagern?“

Wohl kaum, meinen die Grünen. Gerufen hätten den Gast aus Nordrhein-Westfalen nicht südhessische Bauern, sondern der Bund der Vertriebenen im Kreis Bergstraße. Der BdV habe sich „offenbart und zeigt, dass ihm die Versöhnung zwischen Deutschland und Polen nichts bedeutet“. Sie hingen noch immer einer Idee nach, die seit geraumer Zeit die deutsch-polnischen Beziehungen schwer belaste. Wer 60 Jahre nach Kriegsende noch immer eine Umkehr von Tätern und Opfern vornehme, dürfe keine kommunale Unterstützung mehr erfahren. Heppenheims Grüne sind „empört über diesen unwürdigen Auftritt, der keine 200 Meter von dem Aufmarsch der Neonazis am 1. Mai 2006 stattfand.“

Man fordere „sowohl den Landrat als auch die Bürgermeister der Kommunen im Kreis Bergstraße auf, sich von diesem reaktionären Verband zu distanzieren.“ Die Vorstellung, dass nach diesem Auftritt der Bürgermeister am Volkstrauertag mit dem BdV einen Kranz zu Ehren der Opfer des Nationalsozialismus niederlegt, „ist unerträglich.“
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8.2.2007

quelle: http://echo-online.de/suedhessen/template_detail.php3?id=433333

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