Die Antifaschistische Gruppe Bensheim hat eine neue Seite!

Archiv für Januar 2009

Neonazis greifen Jugendliche an

Am Montagabend, dem 26.1.09 gegen 20:40 Uhr wurden in Heppenheim Jugendliche von lokalen Neonazis angegriffen. Die Jugendlichen verteilten gerade in der Mozartstraße Flugblätter, die zur Teilnahme an einer Demonstration in Heppenheim gegen rechte Gewalt am kommenden Samstag aufrufen. Plötzlich kamen zwei Personen aus einer Kneipe, die sofort zum Handy griffen; es schien, als wollten sie Verstärkung rufen. Daraufhin beschlossen die Jugendlichen, die Mozartstraße zu verlassen, um einer gewalttätigen Konfrontation aus dem Weg zu gehen. In der Schillerstraße Ecke Herderstraße wurden ihnen von einem schwarzen 3-BMW mit Heppenheimer Saisonzulassung der Weg abgeschnitten. Zwei Männer stürmten aus dem Auto direkt auf die Gruppe zu und griffen eine Frau aus der Gruppe an. Die Jugendlichen wehrten sich mit Pfefferspray und konnten so die Flucht ergreifen. Circa 10 Minuten später waren 10-15 Neonazis in der Bahnhofsgegend unterwegs.

Dieser Angriff zeigt einmal mehr, wie viel Gewalt von den in Heppenheim wohnenden Neonazikadern ausgeht und wie schnell eine größere Zahl von gewaltbereiten Nazis mobilisiert werden kann.
Zumal Vorfälle wie dieser mitnichten ein Einzelfall sind: Der Angriff auf einen US-Army-Shop in Mannheim am 17.1., der Angriff auf eine Informationsveranstaltung über regionale Neonazistrukturen, ebenfalls in Ludwigshafen – in Heppenheim wohnende Neonazikader an vorderster Front immer mit dabei.
Aber auch in Heppenheim und Bensheim griffen diese Personen im vergangenen Jahr immer wieder Jugendliche an und es ist nur ein glücklicher Zufall, dass dabei noch niemand ernsthaft verletzt wurde. Die Tatsache, dass bei diesen Angriffen die Neonazis oft vermummt und z.T. bewaffnet waren, zeigt deutlich, dass es sich dabei keineswegs um ein zufällige Tätlichkeiten unter jungen Männern handelt, sondern um gezielte Übergriffe. Das ist auch nicht verwunderlich, sind doch die Täter seit Jahren in der extrem rechten Szene aktiv, gehörten früher zur „Kameradschaft Bergstrasse“, sind heute in der NPD und schon lange mit federführend im so genannten „Aktionsbüro Rhein-Neckar“. Einer dieser Kader, der 26-jährige Stefan Jährling, wohnt in der Schillerstraße, ganz in der Nähe der Stelle, an der diese Woche der Angriff erfolgte. Jährling kandidierte bei der Landtagswahl am 18.1. in Heppenheim als zweiter Wahlkreiskandidat für die rechtsextreme NPD.

Dass 3 Heppenheimer Neonazis, darunter zwei der Kader, letztes Jahr beim Kleben von neonazistischem Propagandamaterial erwischt wurden, einer der Kader auch bei den Überfällen in Mannheim und Ludwigshafen verhaftet wurde, scheint diese wenig beeindrucken oder gar ihre Gewaltbereitschaft einzuschränken.
Nicht zuletzt zeigen all diese Vorfälle, wie sehr die Resolution des Kreistags gegen Extremismus in jeglicher Form an der Realität vorbeigeht – nicht einmal zu Lippenbekenntnissen gegen die hier im Kreis in schöner Regelmäßigkeit auftretenden Übergriffe von Neonazis reicht es. Da wundert es nicht, dass diese sich in Heppenheim ansiedeln und offenbar heimisch fühlen.

Tim Weber, der Pressesprecher der Antifa Bensheim dazu: „Wir fordern daher entschieden, das Problem endlich ernst zu nehmen, anzuerkennen, dass sich im letzten Jahr eine – nicht nur aus diesen Kadern bestehende – Neonaziszene in Heppenheim festgesetzt und etabliert hat. Wir fordern, nicht länger wegzusehen und der rechten Gewalt ein Ende zu setzen.“

Wie sehr den lokalen Neonazis eine Aufklärung über ihre Strukturen ein Dorn im Auge ist, kann man auch daran erkennen, dass sich bei der Internetcommunity „Wer kennt wen“, die auch von regionalen Nazis gerne genutzt wird, eine Gruppe mit dem Namen „Gegen Gesox am 31.1. in HP“ gegründet hat.

Die Demonstration unter dem Motto „Das Ende der rechten Gewalt – Nazistrukturen offen legen“ beginnt am Samstag, den 31.1. um 13 Uhr in Heppenheim am Bahnhof.

… das Ende der rechten Gewalt – Nazistrukturen offenlegen!

Flyer Front

2008 – in Hessen eskaliert die rechte Gewalt, so, dass sie keine_r mehr leugnen kann: Kevin Schippkoweit, Autonomer Nationalist und Medienmacher für Marcel Wöll, prügelt eine 13-Jährige mit einem Klappspaten krankenhausreif. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Nicht nur in Nord-, sondern auch in Südhessen, speziell an der Bergstraße, häufen sich gewalttätige Übergriffe auf alternative Jugendliche: In Heppenheim und Bensheim wird Menschen mehrfach vermummt aufgelauert, sie werden angegriffen und mit Leuchtspurmunition beschossen.
Die rechte Gewalt hat aber auch subtilere Formen, manifestiert sich in Flugblättern und Aufklebern. Flugblätter und Aufkleber stellen insofern Gewalt dar, als dass sie z.B. anhand rassistischer Kriterien bestimmten Gruppen ihre Rechte aberkennen oder sie auf bestimmte negative Stereotype reduzieren. Gewalt auch deswegen, weil Städte und Dörfer, in denen an jedem Laternenpfahl solche Aufkleber kleben, eine neonazistische Hegemonie suggerieren und nicht-rechten Menschen ein Gefühl der Bedrohung vermitteln.
Hinzu kommen Aufmärsche und Neonazikonzerte, die de facto temporäre No-Go-Areas für Andersdenkende darstellen. Zwar gab es 2006 den letzten rechten Aufmarsch an der Bergstraße, aber Neonazis versuchen immer wieder, hier Konzerte zu veranstalten, wie zuletzt Anfang Juni 2008, als in einem Vereinsheim in Heppenheim die Bands „Gegenschlag“ und „Blutschuld“ spielen sollten.
Das Ganze kommt natürlich nicht von ungefähr: In den letzten Jahren hatte es zunächst eine extrem hohe Dichte an neonazistischen Gruppen an der Bergstraße gegeben, nach einer Phase der Auflösungen 2006 folgte eine Phase Latenz. Viele der alten Neonazikader bezeichnen sich inzwischen als unpolitisch und sind in u.a. in der Hardcoreszene aktiv, haben aber z.T. immer noch soziale Kontakte zu den alten „Kamerad_innen“. Andere hingegen sind unvermindert aktiv, haben ihre Stellung innerhalb der Szene gefestigt und sind in organisatorisch wichtige Positionen aufgestiegen. Zwei dieser alten Kader wohnen mittlerweile in Heppenheim und haben es geschafft, junge Leute um sich zu scharen und ohne Probleme in der Öffentlichkeit aufzutreten.
Und wieder sprießen neue Organisationen wie Pilze aus dem Boden: die „Kameradschaft Darmstadt“ oder die „Germanische Volksarmee“, um nur zwei zu nennen. Neue Neonazi-Gruppierungen, deren Existenz sichtbar macht, dass es hier immer noch und immer wieder aufs Neue organisierte Neonazistrukturen gibt – Neonazisstrukturen, von denen Gewalt ausgeht, auf vielen Ebenen.
Diese Strukturen gilt es offenzulegen, deutlich zu machen, dass es sich dabei nicht um eine Handvoll desorientierter Jugendlicher handelt, die man (nach Ansicht mancher Städte) besser ignoriert – sondern um organisierte Neonazis, von denen niemand genau wissen kann, wer_welche als Nächste_r zum Klappspaten greift.
Lasst uns das nicht einfach hinnehmen!

Gegen Neonazis, ihre Strukturen und die Gewalt, die von ihnen ausgeht.
Kommt am 31.1.09 zur Demo!

Flyer Rückseite:

Flyer Back




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